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01.03.1948 Dienstgebäude der Bank deutscher Länder

Die Gründung der Bank deutscher Länder

Die Bank deutscher Länder wurde 1948 in Frankfurt am Main gegründet. Sie war die Dachorganisation der Landeszentralbanken der westdeutschen Länder. Ihre Aufgabe war es, die neue Währung – die D-Mark – auszugeben. Die zweistufige, dezentrale Struktur der Bank deutscher Länder war an das Vorbild der amerikanischen Zentralbank (Fed) angelehnt.

Die Gremien der Bank deutscher Länder

Die Gremien der Bank deutscher Länder waren das Direktorium und der Zentralbankrat. Der Zentralbankrat war das oberste Entscheidungsgremium. In ihm waren die Präsidenten der neun Landeszentralbanken sowie der Zentralbankratspräsident und der Präsident des Direktoriums vertreten. Am 20. Mai 1948 wählte der Zentralbankrat Karl Bernard zum Vorsitzenden. Zum Präsidenten des Direktoriums wurde am 1. Juni 1948 Wilhelm Vocke gewählt.

Portrait von Karl Bernard
Karl Bernard
Portrait von Wilhelm Vocke
Wilhelm Vocke
20.06.1948 Vernichtung von Reichsbanknoten

Die Währungsreform: Die Einführung der D-Mark

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs war die wirtschaftliche Lage in Deutschland desolat. Es lohnte sich kaum, für den Gelderwerb zu produzieren und zu arbeiten, da die Preise der meisten Waren festgesetzt und niedrig waren. Zudem wurden viele Waren staatlich zugeteilt. Lebensmittel wurden vor allem im Tausch gegen Wertgegenstände beschafft. Besonders beliebt waren dabei Zigaretten, die auf dem Schwarzmarkt ein gängiges Zahlungsmittel waren. Das Vertrauen in die Reichsmark war verloren.

Am 20. Juni 1948 führten die westlichen Alliierten die D-Mark ein. Ab dem 21. Juni 1948 war sie das alleinige gesetzliche Zahlungsmittel. Jeder Haushalt konnte zunächst 40 Reichsmark gegen 40 D-Mark eintauschen. Bank- und Sparguthaben wurden im Verhältnis 100 zu 6,5 (100 Reichsmark=6,50 DM) umgestellt.

Das Vertrauen in die neue Währung war groß. Über Nacht füllten sich die bis dahin vielerorts leerstehenden Schaufenster. Dieser sogenannte Schaufenster-Effekt galt vielen Zeitzeugen als "Auftakt" des deutschen Wirtschaftswunders.

Zwei Herren schütten Banknotenbündel in einen Behälter.
Vernichtung von Reichsbanknoten in der Papierfabrik in Gemmrigheim unter US-Militäraufsicht.

Die Operation „Bird Dog“

Die neuen Geldscheine waren bereits im Oktober 1947 in Washington und New York gedruckt und im Frühjahr 1948 nach Deutschland verschifft worden. Die Operation „Bird dog“ fand unter strengster Geheimhaltung statt, da die USA offiziell noch mit der Sowjetunion über die Einführung einer gemeinsamen Währung verhandelten.

Ankunft der Banknoten in Bremerhaven und Umladung der Transportkisten vom Schiff in einen Gepäckwagen der Reichsbahn.
Banknoten werden in einen Gepäckwagen der Reichsbahn verladen.
14.08.1952 Außenansicht des Mount Washington Hotel, Bretton Woods, New Hampshire USA.

Der Beitritt der Bundesrepublik Deutschland zum Internationalen Währungsfonds (IWF)

Am 14. August 1952 trat Deutschland dem Internationalen Währungsfonds (IWF) bei. Von diesem Zeitpunkt an war die Bundesrepublik auch Mitglied des 1944 gegründeten Bretton-Woods-Systems. Damit verpflichtete sich Deutschland wie alle teilnehmenden Länder dazu, die eigene Währung an den US-Dollar als Leitwährung zu binden. Die Wechselkurse der teilnehmenden Länder waren somit untereinander fixiert. Änderungen der Wechselkurse waren nur bei „fundamentalen Ungleichgewichten der Zahlungsbilanz“ erlaubt.

23.05.1956 Abbildung des FAZ-Artikels: „Adenauer: Das Fallbeil trifft die kleine Leute“

Die Diskussion um die Unabhängigkeit

Die Bank deutscher Länder war von Beginn an frei von Weisungen deutscher politischer Stellen. Sie stand jedoch zunächst unter alliierter Kontrolle. Im Frühjahr 1951 boten die Alliierten an, ihre Weisungsrechte aufzugeben. In Bonn verzichtete man darauf, diese durch Weisungsrechte der Bundesregierung zu ersetzen. Die Bank deutscher Länder war damit vollständig von politischen Weisungen unabhängig.

Diese Unabhängigkeit war nicht unumstritten. Der damalige Bundeskanzler Konrad Adenauer (CDU) sprach sich in der sogenannten Gürzenich-Rede gegen die Pläne der Bank deutscher Länder aus, den Leitzins zu erhöhen, um die Inflation zu begrenzen. Dies treffe letztlich die "kleinen Leute". Adenauer konnte sich damit aber nicht durchsetzen.

Der Zentralbankrat, meine verehrten Herren, ist vollkommen souverän gegenüber der Bundesregierung. Er ist natürlich verantwortlich gegenüber sich selbst. Aber wir haben hier ein Organ, das niemandem verantwortlich ist, auch keinem Parlament, auch nicht einer Regierung. […] es ist der deutschen Konjunktur ein schwerer Schlag versetzt worden, […] das Fallbeil trifft die kleinen Leute.

26.07.1957 Ausschnitt aus dem Gesetz über die Deutsche Bundesbank mit den Unterschriften von Bundespräsident, Bundeskanzler und Bundesministern.

Die Verabschiedung des Bundesbankgesetzes: Die Errichtung der Deutschen Bundesbank

Die Bank deutscher Länder sollte die Aufgaben einer Zentralbank nicht dauerhaft übernehmen. Das deutsche Grundgesetz vom 23. Mai 1949 sah vor, sie durch eine Währungs- und Notenbank als Bundesbank zu ersetzen. Das Gesetz über die Deutsche Bundesbank wurde am 26. Juli 1957 verabschiedet, am 1. August trat es in Kraft.

Nach § 1 des Gesetzes über die Deutsche Bundesbank vom 26. Juli 1957 sind die Landeszentralbanken und die Berliner Zentralbank mit der Bank deutscher Länder verschmolzen worden. Die Bank deutscher Länder ist Deutsche Bundesbank geworden, heißt es im ersten Geschäftsbericht der Deutschen Bundesbank 1957.

Die Bundesbank ist seitdem die unabhängige Zentralbank Deutschlands. Die Preisstabilität zu sichern ist ihre oberste Aufgabe.

Die Leitung der Bundesbank

Die Leitung der Bundesbank übernahmen bis Januar 1958 zunächst Karl Bernard und Wilhelm Vocke. Bernard war bis dahin Präsident des Zentralbankrats der Bank deutscher Länder gewesen und Vocke Präsident des Direktoriums.

01.01.1958 Karl Blessing

Der erste Präsident der Deutschen Bundesbank

Als erster Präsident der Bundesbank übernahm Karl Blessing das Amt am 01. Januar 1958. Der Diplom-Kaufmann war bereits ab 1920 für die Reichsbank tätig gewesen und war von 1930 bis 1934 als Abteilungsleiter bei der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich in Basel abgeordnet.

Der Präsident wird von der Bundesregierung vorgeschlagen und vom Bundespräsidenten bestellt. Wie auch die anderen Mitglieder des Bundesbankvorstands wird er in der Regel für acht Jahre berufen. Die Bundesbank ist bei der Ausübung der Befugnisse, die ihr nach dem Gesetz über die Deutsche Bundesbank zustehen, von Weisungen der Bundesregierung unabhängig.