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09.11.1989 Brandenburger Tor am Tag des Mauerfalls; davor feiernde Menschenmenge

Mauerfall

Am 9. November 1989 hoben sich überraschend die Schlagbäume an den Grenzübergängen zwischen Ost- und Westberlin. Die Menschen lagen sich jubelnd in den Armen und feierten mit dem Mauerfall das Ende der Teilung zwischen West und Ost.

Viele DDR-Bürgerinnen und Bürger nutzten von nun an die Gelegenheit für Besuche in Westdeutschland. Bei der Einreise in die Bundesrepublik erhielten alle ein sogenanntes "Begrüßungsgeld" in Höhe von 100 DM pro Person. Der Ansturm auf die westdeutschen Auszahlungsstellen war riesig. Zeitweilig kam es sogar zu Bargeldengpässen. Die Landeszentralbanken sorgten jedoch dafür, dass niemand leer ausging. Die Banken und Sparkassen hielten ihre Schalter teilweise Tag und Nacht geöffnet.

06.02.1990 Montagsdemonstration in Leipzig

Verhandlungen über eine Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion

Bereits am 6. Februar 1990 bot der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl der DDR-Regierung an, über eine Währungsunion zu verhandeln. Die Bundesbank stand einer schnellen Einführung der D-Mark in der DDR skeptisch gegenüber. Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl bezeichnete es als "zumindest verfrüht, heute schon über eine Währungsunion zu sprechen". Erst einen Tag später erfuhr er, dass die Bundesregierung bereits beschlossen hatte, unverzüglich mit den Verhandlungen zu beginnen.

29.03.1990 Demonstranten mit Plakat

Diskussion um Umstellungsmodalitäten der Währungen

Schnell gab es einen Konsens darüber, dass die DDR-Mark durch die D-Mark ersetzt werden sollte. Über die Bedingungen der Währungsumstellung wurde jedoch kontrovers diskutiert.

Am 29. März 1990 besuchte der damalige Bundesfinanzminister Theo Waigel die Bundesbank, um mit dem Zentralbankrat über die geplante Währungsunion zu sprechen. In einer Stellungnahme für die Bundesregierung sprach sich der Zentralbankrat schließlich für eine generelle Umstellung aller Schuldverhältnisse im Verhältnis 2:1 aus. Sparguthaben bis zu einer Höhe von 2000 Ost-Mark pro Person sollten nach Ansicht des Zentralbankrats im Verhältnis 1:1 umgestellt werden. Die Bundesregierung entschied jedoch wenig später, dass alle Bürgerinnen und Bürger bis zu 4000 Ostmark im Verhältnis 1:1 in D-Mark umtauschen konnten. Rentnerinnen und Rentner durften sogar bis zu 6000 Ostmark im Verhältnis 1:1 tauschen.

Theo Waigel, Hans Tietmeyer und Karl Otto Pöhl (v.l.n.r.)
Theo Waigel landet auf dem Gelände der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main
03.05.1990 Dienstgebäude der Vorläufigen Verwaltungsstelle Berlin - Anbringen des Eingangsschildes

Einrichtung einer vorläufigen Verwaltungsstelle der Bundesbank in Berlin

Im Mai 1990 richtete die Bundesbank eine vorläufige Verwaltungsstelle in Berlin-Dahlem ein. Fünf Beschäftigte sollte dort die Währungsunion vorbereiten. Dies sah der sogenannte Staatsvertrag vor, der wenige Wochen später unterzeichnet wurde.

Die vorläufige Verwaltungsstelle sollte darüber hinaus die Leitung der neu aufzubauenden Filialen der Bundesbank auf dem Gebiet der DDR übernehmen. Leiter der vorläufigen Verwaltungsstelle wurde das Mitglied des Direktoriums Johann Wilhelm Gaddum.

Gaddum kommentierte diese Zeit später wie folgt:

Wir standen unter dem Druck, bis zum 30.06. fertig zu sein mit diesen Operationen. Und das war für alle ein ziemlicher Stress und das bedeutete eben auch, dass Bundesbankleute, die jetzt wussten, wir kommen dahin, also die künftigen Zweigstellenleiter, die haben dann auch wirklich physisch mit angepackt, wenn‘s notwendig war…. Es hat jeder wirklich das Mögliche getan, um das zum 1. Juli zum Stehen zu kriegen.

15.05.1990

Einrichtung von Bundesbankfilialen in Berlin und auf dem Gebiet der DDR

Neben der vorläufigen Verwaltungsstelle richtete die Bundesbank ab Mai 1990 15 Filialen auf dem Gebiet der DDR ein. Diese neuen Filialen entstanden in Berlin, Rostock, Schwerin, Neubrandenburg, Potsdam, Frankfurt/Oder, Cottbus, Dresden, Karl-Marx-Stadt (Chemnitz), Leipzig, Gera, Meiningen, Weimar, Halle und Magdeburg und waren der vorläufigen Verwaltungsstelle in Berlin unterstellt.

Damit alle Bürgerinnen und Bürger der DDR pünktlich zum 1. Juli 1990 die D-Mark in den Händen halten konnten, musste die Bundesbank viele Vorbereitungen treffen. Anfang Juni brachten Geldtransporter 440 Millionen Banknoten und 102 Millionen Münzen in die neu eröffneten Filialen.

Auszahlung von D-Mark und Geldbearbeitung in der Filiale Weimar

Filiale der Bundesbank in Weimar: Auszahlung von D-Mark
Filiale der Bundesbank in Weimar: Geldbearbeitung

Anlieferung von D-Mark in Cottbus und Auszahlung in der Filiale Leipzig

Filiale der Bundesbank in Cottbus: Anlieferung von D-Mark mit einem Geldtransporter
Filiale  der Bundesbank in Leipzig:  Auszahlung  von  DM  nach  der  Währungsumstellung
18.05.1990 Walter Romberg (links) und Theo Waigel (rechts) unterzeichnen des Staatsvertrag

Unterzeichnung des Staatsvertrags

Am 18. Mai 1990 unterzeichneten die Finanzminister der Bundesrepublik und der DDR, Theo Waigel und Walter Romberg, den Staatsvertrag über die Schaffung einer innerdeutschen Wirtschafts-, Währungs- und Sozialunion. Der Staatsvertrag sicherte der Bundesbank die alleinige Kompetenz für die Geldpolitik in beiden deutschen Staaten zu.

Der damalige westdeutsche Finanzminister Theo Waigel betonte:

Die Bundesbank behält die volle Souveränität über die Geldschöpfung und die Geldpolitik im neuen gesamtdeutschen Wirtschaftsraum. Bundesbank und Bundesregierung werden wie bisher vertrauensvoll und eng zusammenarbeiten, wenn es um die Sicherung der Stabilität geht.

31.05.1990  Hans Tietmeyer, Theo Waigel und Horst Köhler (v.l.n.r.) auf dem Gelände der Deutschen Bundesbank in Frankfurt am Main

Sitzung des Zentralbankrats

Am 31. Mai 1990 tagte der Zentralbankrat der Bundesbank in Frankfurt am Main. Zu Gast waren auch Bundesfinanzminister Theo Waigel und Staatssekretär Horst Köhler, mit denen Hans Tietmeyer als damaliges Direktoriumsmitglied die Umsetzung des Staatsvertrags diskutierte.

Mit den Regelungen des Staatsvertrages wurden wesentliche Forderungen der Bundesbank erfüllt, da die vereinbarten Umstellungsverhältnisse sehr nahe bei den vorangegangenen Empfehlungen des Zentralbankrats lagen und die Bank die alleinige Kompetenz für die Geldpolitik in beiden deutschen Staaten erhielt.

13.06.1990 802. Sitzung des Zentralbankrats der Deutschen Bundesbank in Ost-Berlin: Walter Romberg, Karl Otto Pöhl, Lothar de Maizière und Theo Waigel (v.l.n.r.)

Teilnahme des Finanzministers der DDR an einer Sitzung des Zentralbankrats

Auf Einladung von Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl nahm auch der Finanzminister der DDR, Walter Romberg, an einer Sitzung des Zentralbankrats in Frankfurt am Main teil. Pöhl und Romberg berieten im Vorfeld der bevorstehenden D-Mark-Einführung in der DDR unter anderem über ein einheitliches deutsches Währungs- und Wirtschaftsgebiet. Auch die Einführung marktwirtschaftlicher Strukturen in der DDR war ein Thema des Treffens.

01.07.1990 Mann mit D-Mark-Banknoten in den Händen

D-Mark wird zur gesamtdeutschen Währung

Am 1. Juli 1990 trat der Staatsvertrag über die Schaffung einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion in Kraft. Damit wurde die D-Mark zum alleinigen gesetzlichen Zahlungsmittel in der DDR. Der Ansturm auf die Banken war riesig. Die ersten öffneten bereits um Mitternacht ihre Schalter, damit alle Bürgerinnen und Bürger der DDR das neue Geld pünktlich in ihren Händen halten konnten.

Riesenandrang bei der Deutschen Bank bei der Einführung der D-Mark in der DDR
Einführung der D-Mark in der DDR: Theo Waigel betätigt sich als Hilfskassierer
03.10.1990 Wehende Deutschlandfahnen vor dem Brandenburger Tor

Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes

Am 3. Oktober 1990 trat die DDR offiziell der Bundesrepublik Deutschland bei. Die beiden deutschen Staaten waren damit nach 43 Jahren der Teilung wiedervereinigt. Der zugrundeliegende Einigungsvertrag vom 31. August 1990 verpflichtete den Gesetzgeber unter anderem dazu, binnen eines Jahres das Bundesbankgesetz zu erneuern, um eine einheitliche Bundesbankstruktur in Gesamtdeutschland zu schaffen.