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01.01.1960 Mitarbeiter der Hauptkasse beim Vergleichen der Goldbarrennummer mit dem Bestandsbuch

Die Stabilitätspolitik im Dilemma

In den 1950er Jahren verbesserte sich die Lage der deutschen Wirtschaft deutlich. Die Inflationsrate war gering und Deutschland wies beträchtliche Leistungsbilanzüberschüsse auf. Da die USA sich im Rahmen von Bretton Woods verpflichtet hatten, US-Dollar jederzeit zum Kurs von 35 US-Dollar je Feinunze Gold zurückzunehmen, wuchs der deutsche Goldbestand in dieser Zeit deutlich.

Diese Entwicklung brauchte die Bundesbank ab Anfang der 1960er Jahre in ein Dilemma: Aufgrund der hohen Warenexporte und Kapitalzuflüsse aus den Ausland, musste sie Fremdwährungen gegen D-Mark aufkaufen. Dem standen aber keine ausgleichenden Geldabflüsse gegenüber. In der Folge stieg die Geldmenge der D-Mark deutlich, die Inflationsgefahr wuchs. Versuchte die Bundesbank dem entgegenzuwirken, indem sie die Zinsen erhöhte, um damit die inländische Kreditnachfrage zu senken, lockte sie wiederum Auslandskapital an. Senkte sie die Zinsen, stieß sie zwar Auslandskapital ab, regte aber die Binnennachfrage und damit auch die Inflation an.

Exkurs: Die deutschen Goldreserven

Bei den Goldreserven der Bundesbank handelt es sich um physische Bestände in Form nummerierter Goldbarren. Die Goldbarren lagern in Tresoren in Frankfurt am Main sowie bei den drei Zentralbanken Federal Reserve Bank of New York, Bank of England und Banque de France. Die Lagerorte im Ausland ermöglichen es der Bundesbank, Goldreserven in kürzester Zeit an den wichtigen Goldhandelsplätzen in Fremdwährung tauschen zu können.

Das im Januar 2013 verabschiedete Lagerstellenkonzept der Bundesbank sieht vor, dass bis 2020 die Hälfte der deutschen Goldreserven in Deutschland lagern soll. Im vergangenen Jahr wurden in diesem Rahmen insgesamt über 216 Tonnen Gold nach Deutschland verlagert, davon 111 Tonnen aus New York und 105 Tonnen aus Paris. Seit 2013 wurden damit schrittweise knapp 283 Tonnen Gold aus Paris und 300 Tonnen Gold aus New York nach Frankfurt am Main verlagert. Die Verlagerung aus New York ist damit abgeschlossen.

Am 31. Dezember 2016 lagerten 47,9 Prozent der deutschen Goldreserven in Frankfurt, 36,6 Prozent in New York, 12,8 Prozent in London und die restlichen 2,7 Prozent in Paris. Im Zuge der Verlagerung wird die Lagerstelle bei der Banque de France bis Ende 2017 vollständig aufgelöst, da Frankreich wie Deutschland zum Euro-Währungsgebiet gehört und der Umtausch in Fremdwährungen deshalb nicht mehr nötig ist.

Rund 3.378 Tonnen Gold sind heute im Besitz der Deutschen Bundesbank. Ende 2016 waren diese Goldbestände etwa 119,3 Milliarden Euro wert. Deutschland verfügt damit über den weltweit zweitgrößten Goldbestand nach den Vereinigten Staaten. Der Goldbestand stellt zwei Drittel der deutschen Währungsreserven dar, der Rest entfällt auf Devisenreserven und Forderungen gegenüber dem Internationalen Währungsfonds (IWF) wie den Sonderziehungsrechten.

Überprüfen der Goldbarrennummer
Goldbarren wird auf Echtheit geprüft
10.03.1967 Karl Blessing

Der Blessing-Brief

Die Amerikaner hatten sich im Rahmen des Bretton-Woods-Abkommens dazu verpflichtet, Dollar jederzeit in Gold umzutauschen. Seit Ende der 1950er Jahre fürchteten sich die USA jedoch vor einem umfangreichen internationalen Gebrauch dieses Umtauschrechts, insbesondere durch die Europäer. In vielen europäischen Staaten hatten sich aufgrund der hohen militärischen Präsenz und der expandierenden Investitionen der amerikanischen Industrie Dollarüberschüsse angesammelt. Ein massenhafter Umtausch hätte die amerikanischen Goldreserven aufbrauchen und den Glauben an eine tatsächliche Golddeckung des Dollars aufheben können.

Vor diesem Hintergrund richtete der damalige Bundesbankpräsident Karl Blessing einen Brief an William Martin, den Vorsitzenden des Federal Reserve Board der US-amerikanischen Zentralbank. Darin versprach Blessing sinngemäß, von einem massenhaften Umtausch von Dollar in Gold Abstand zu nehmen. Er betonte, dass diese Zurückhaltung der deutsche Beitrag zur internationalen monetären Kooperation sei und der Prävention jeglicher störender Effekte auf den internationalen Devisen- und Goldmärkten diene.

Später kommentierte Blessing seine Ausführungen im Magazin Der Spiegel (1971) mit den Worten:

Ich erkläre Ihnen heute, dass ich mich selber persönlich schuldig fühle auf dem Gebiet. Ich hätte damals rigoroser sein müssen gegenüber Amerika. Die Dollar, die bei uns anfielen, die hätte man einfach rigoros in Gold umtauschen müssen.

10.11.1967 Bundesbankpräsident Blessing mit Hammer neben zwei Handwerkern am Grundstein

Die Grundsteinlegung des Gebäudes der Zentrale

Am 10. November 1967 wurde der Grundstein für den Neubau des Dienstgebäudes der Deutschen Bundesbank in der Wilhelm-Epstein-Straße in Frankfurt am Main gelegt.

Das Dienstgebäude der Bank deutscher Länder war bereits zu klein für alle Beschäftigten, sodass das Direktorium schon frühzeitig Pläne für einen Neubau aufgestellt hatte. Die Pläne waren aber immer wieder zurückgestellt worden.

Bei der Grundsteinlegung mauerte Bundesbankpräsident Karl Blessing eine Kassette in den Grundstein aus Basaltlava ein. Sie enthielt eine Urkunde unter anderem mit folgenden Worten:

Der Ausgang des Zweiten Weltkrieges hat zur Auflösung der alten Deutschen Reichsbank geführt. Die Aufgaben der Zentralnotenbank gingen auf die Bank deutscher Länder und die Landeszentralbanken über, die am 1. August 1957 zur Deutschen Bundesbank verschmolzen wurden. […] Heute, am 10. November 1967, wird in Anwesenheit vieler hervorragender Vertreter des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft durch den Präsidenten der Deutschen Bundesbank Dr. h. c. Karl Blessing der Grundstein gelegt. Möge dieser Bau glücklich vollendet werden und mit Gottes Hilfe eine Stätte segensreicher Arbeit in Frieden, Freiheit und sozialer Gerechtigkeit sein! Und möge der Tag kommen, an dem in einem wiedervereinten Vaterland eine Währungs- und Notenbank dem ganzen deutschen Volke dienen kann!

Kräne vor dem Rohbau des Haupthauses der Bundesbankzentrale
Die Bundesbank-Zentrale während des Baus.
Handwerker beim Verschließen des Grundsteins; im Hintergrund der damalige Bundesbankpräsident Karl Blessing.
Handwerker beim Verschließen des Grundsteins; im Hintergrund der damalige Bundesbankpräsident Karl Blessing.
08.10.1970

Der Werner-Plan

Im Oktober 1970 legte der luxemburgische Premierminister Pierre Werner einen Plan vor, der eine gemeinsame Währung in allen Ländern der Europäischen Gemeinschaft bis zum Jahr 1980 vorsah.

Der Ministerrat der Europäischen Gemeinschaften und die Regierungen der Mitgliedstaaten einigten sich am 9. Februar 1971 schließlich auf einen Stufenplan, nach dem im Laufe der kommenden zehn Jahre eine Wirtschafts- und Währungsunion geschaffen werden sollte. Der Plan wurde jedoch nie umgesetzt.

09.05.1971 Ein Bündel Dollarnoten

Freigabe des Wechselkurses der D-Mark

1971 geriet der US-Dollar immer stärker unter Druck. Er landete gegenüber der D-Mark oft am unteren Interventionspunkt. Die Bundesbank musste dann eingreifen, um den Dollar zu stützen. Deshalb kaufte sie im April und Mai 1971 sechs Milliarden US-Dollar auf und gab dafür 22 Milliarden D-Mark in den Markt. Dies trug zu einem deutlichen Anstieg der Inflation bei. Die Bundesregierung beschloss deshalb, den Wechselkurs der D-Mark vorübergehend freizugeben.

15.08.1971 Richard Nixon

Nixon-Schock

Im August 1971 verkündete der amerikanische Präsident Richard Nixon, dass die Vereinigten Staaten ihrer Verpflichtung, US-Dollar jederzeit in Gold einzutauschen, nicht mehr nachkommen würden. Die Kopplung des Dollars an Gold war damit faktisch aufgehoben. Zusätzlich sollten alle Importe mit einem Zoll von 10 Prozent belegt werden. Damit war das endgültige Ende des Bretton-Woods-Systems vorgezeichnet.

Fast alle großen Handelsnationen gingen daraufhin zum sogenannten "Floaten" über und ließen ihre Währungen frei gegenüber dem Dollar schwanken. Im Dezember 1971 einigten sich die Staaten mit dem sogenannten Smithsonian-Agreement darauf, die Wechselkurse neu festzusetzen. Der US-Dollar wurde abgewertet und die Bandbreite für Wechselkursschwankungen erhöht.

17.09.1971 Straßenansicht des Landeszentralbankgebäudes in Hamburg

Überfall auf die Bundesbank

Am 17. September 1971 überfiel ein vermummter und schwer bewaffneter Mann die Zweigstelle der Bundesbank in Hamburg Altona und erbeutete zunächst circa 140.000 DM. Während des Überfalls schoss er in der Kassenhalle aus seiner Maschinenpistole. Auf seiner Flucht wurde er vom Ständigen Vertreter des Direktors der Zweigstelle verfolgt und schließlich überwältigt.

24.04.1972

Europäischer Wechselkursverbund oder: die "Schlange im Tunnel"

Im Frühjahr 1972 gründeten die Regierungen von Belgien, Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg und den Niederlanden den Europäischen Wechselkursverbund. In dem Verbund durften die Wechselkurse der teilnehmenden Währungen um nicht mehr als 2,25 Prozent von den vereinbarten Leitkursen nach oben oder unten abweichen. Die Wechselkurse waren somit untereinander fixiert, allerdings mit etwas Bewegungsspielraum nach oben und unten, weshalb auch von der "Europäischen Währungsschlange" oder der "Schlange im Tunnel" die Rede war. 1979 wurde der Europäische Wechselkursverbund durch das Europäische Währungssystem ersetzt.

28.10.1972 Warnschild auf dem Gehweg „Umzug Deutsche Bundesbank“

Umzug in das neue Dienstgebäude

Im Oktober 1972 war der Neubau des Dienstgebäudes der Bundesbank in der Wilhelm-Epstein-Straße in Frankfurt am Main abgeschlossen. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnten ihre neuen Büros beziehen.

02.03.1973

Das Ende des Bretton-Woods-Systems

Anfang 1973 wurde die D-Mark von einer Spekulationswelle erfasst. Die Bundesbank musste im Februar und März große Mengen US-Dollar aufkaufen, um den Wechselkurs gegenüber dem US-Dollar stabil zu halten. Das Direktorium der Bundesbank bat die Bundesregierung daraufhin, die Bank von der Interventionspflicht zu befreien. Die Regierung lehnte dies zunächst ab, lenkte jedoch ein, als die Bundesbank im März erneut zugunsten des US-Dollar intervenieren musste.

Die Bundesbank stellte daraufhin die Dollar-Ankäufe ein. Auch die Bindung der anderen Währungen an den US-Dollar wurde kurze Zeit später offiziell aufgehoben. Das Bretton-Woods-System war endgültig gescheitert.

01.01.1974

Restriktive Geldpolitik: Der Monetarismus

Nach dem Ende des Bretton-Woods-Systems setzte sich mit dem Monetarismus mehr und mehr ein neues geldpolitisches Konzept durch. Nach dieser Theorie, die von dem US-amerikanischen Ökonom Milton Friedmann begründet wurde, besteht zwischen der Geldmenge in einer Volkswirtschaft und der Entwicklung der Preise ein enger Zusammenhang.

Diese Auffassung vertrat auch die Bundesbank. Um die Inflation zu begrenzen, durfte die Geldmenge mittelfristig nicht stärker als das reale Wirtschaftswachstum ausgedehnt werden. Die Geldmenge wurde damit zum Zwischenziel der Geldpolitik, das über den Zinssatz indirekt gesteuert wurde.

Die Bundesbank war weltweit die erste Zentralbank, die die Geldmengensteuerung nutzte, um die Entwicklung der Inflation zu beeinflussen. Von 1975 an gab sie ihre jährlichen Geldmengenziele bekannt. In den insgesamt 23 Jahren der Geldmengensteuerung erreichte sie ihr Ziel zwölf Mal.

Karl Klasen

Am 1. Januar 1970 wurde Karl Klasen zum Präsidenten der Deutschen Bundesbank ernannt. Der promovierte Jurist war in den 1960er Jahren Vorstandsmitglied und später Vorstandssprecher der Deutschen Bank gewesen.

Klasen galt es ein großer Verfechter der Stabilitätspolitik der Bundesbank. Auf die Frage eines Journalisten, ob es für den Einzelnen gewissen Möglichkeiten gebe, an der Währungsstabilität mitzuwirken, sagte er:

Ja, das gibt es durchaus. Indem man spart und die Anschaffungen für einen Augenblick zurückstellt, wo sie preisgünstiger sind und dass man alle teuren Dinge, wo man das Gefühl hat, dass da ungewöhnliche Preise verlangt werden, einfach nicht kauft.

Portrait von Karl Klasen